„Krasser Terminkalender für ein Kind“?

„Krasser Terminnkalender“ für ein Kind. Das hat jemand auf Twitter kommentiert, als ich unseren neuen „Wechel-Plan“ gepostet habe. Warum ich das überhaupt tue? Ich tue das, um aufzuzeigen, wie diese Pläne aussehen. Wie die Realität im WM (=Wechselmodell) aussieht, damit sich jede(r) frühzeitig entscheiden kann, ob das zur Familie, zum Kind passt.

Ich (er)lebe dieses Modell nun, da ich mitgemacht habe und jetzt nicht mehr ändern kann. Also mach ich das Beste draus. Die Frage, die ich mir allerdings ständig stelle: Wie geht es meinem Kind eigentlich damit? Papa sagt, alles super. Ich bezweifle das, Menschen um mich herum auch. Menschen um Papa herum nicht. Jugendamt nicht. Mediatorin auch nicht. Die sagen alle, alles gut.

Aber woher weiß ich denn, das wirklich alles gut ist? Typische Aussagen der Mediation waren jedenfalls:

  • wenn es dem Kind nicht gut dabei geht, liegt das an Ihnen als Mutter
  • das Kind bekommt Ihre Zweifel und Spannungen mit
  • Kinder verhalten sich so wie die Eltern es ihnen „suggerieren“
  • die Trennung per se ist das Übel, das Modell dann im Grund egal, daher ist das WM so gut oder schlecht wie jedes andere; dafür wenigstens gerecht

Ich bin der Ansicht, das Kind äußert mir gegenüber, wenn es ihm schlecht geht. Oder doch nicht (mehr)? In letzter Zeit jedenfalls kümmert es sich primär darum, dass alles „gerecht“ zugeht. Gefühle wurden mal geäußert, aber  nun nicht mehr. Heißt das jetzt, dass es dem Kind gut geht oder hat es nur einfach aufgehört, zu „vermissen“, da es eh alles „unabänderlich“ ist?

Also ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung, wie es meinem Kind wirklich geht. Es fügt sich. Ich füge mich. Wir müssen die gemeinsame Zeit genießen. Das ist alles, was jetzt  zählt.

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11 Gedanken zu “„Krasser Terminkalender für ein Kind“?

  1. Kathi says:

    Ja, das hast Du schön geschrieben.
    Gerecht. Es muss nur gerecht sein.
    Aber, sorry, das WM ist gerecht für die Eltern. Beide Elternteile kommen so auf ihre Kosten.
    Das Kind leidet einfach doppelt.
    Klar, Trennnung per se ist das übel. Ein füle r das Kind faires WM würde eine Kinderwohnung und pendelnde Elternteile beinhalten.
    Ein Wechselndes Kind jhat kein Zuhause und keinen Halt mehr.
    Genau wie Dues beschreibst, ist es auch bei uns. Mein Bonuskind sorgt nur noch für Gerechtigkeit. Eigene Gefühle kommen nur noch ab und zu in Form von aufgestauter Wut auf.

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  2. Mitsue Kono says:

    Liebe Melanie, ich habe bisher keine Menschen aus dem System erlebt, die sich wirklich am Wohl des Kindes orientiert haben. Und ich lerne den Grund: Der Auftrag ist nicht: Schaut das das Kind gut rum kommt! Der Auftrag ist: Setzt das Umgangsrecht des nicht betreuenden Elternnteils durch! Irgendwie! Nur setzt es durch! Nutzt dafür alles, was euch argumentativ und handlungstechnisch zur Verfügung steht. Das Umgangsrecht steht im BGB. Das Kinderrecht nicht. Nur darum geht es! Das ist der Auftrag vom Senat an das System wie JA, Mediatoren, Richter, Umgangspfleger/Begleiter etc. Darum geht es uns Familien – sprich Kindern und Müttern so schlecht! Weil es nicht um das KInd an sich geht. Dieses gesetzliche Schieflage, die mit altertümlichen Argumenten durchgesetzt wird – im Notfall mit Polizeigewalt – findet keinen Raum für unsere Kinder, sondern nur für die Umgangsberechtigten. Das Kind ist verpflichtet! Jeder Arzt/Mediziner, Therapeut, Psychologe bestätigt die Überforderungen der Kinder – eines Menschen – durch das aufgezwungene WM. Aber das sind Leute aus der freien Wirtschaft. Die wissen es besser, fakisch, fachlich, wissenstechnisch. Aber sie haben eben auch nichts mit Politik zu tun. Wir kommen mit gesundem Menschenverstand nicht weiter. Es wird nur über die Politik gehen. Gesetzesänderungen! Familienrechtliche Reformen!

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  3. wahrscheinkontrolle says:

    Das Patriarchat kämpft schon immer gegen den gesunden Menschenverstand. Auch der Menschenversuch G8 musste erst einmal eine Schul-Generation verkorksen, bis die Verantwortlichen begriffen. Alles hätte aber leicht durch kurzes gedankliches Zurückversetzen in die eigene Kindheit als Kinderquälerei erkannten werden können. Mit der Ganztagsschule wird es ähnlich sein, ihr Gift ist allerdings schleichender.
    Wenn die Wechselmodell-Kinder erwachsen sind, WERDEN sie Klartext reden. Und sie werden ihre Väter und Vater Staat dafür hassen, dass sie ihnen das angetan haben. Die Frage sei gestellt, ob Väter das wollen.

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  4. Marie says:

    Liebe Melanie,
    Danke für diese offenen Worte. Mir geht es genauso wie dir und vielen anderen Müttern, die sich auf das Wechselmodell eingelassen haben. Meinem Kind geht es nicht gut damit. Es hat große Verhaltensauffälligkeiten. Der Vater sagt, dass bei ihm alles gut ist. Das Jugendamt interessiert sich nicht weiter und bestätigt einfach dem Gericht, dass es für die Weiterführung des Wechselmodells ist. Man muss dazu sagen, dass die Mitarbeiterin vom JA weder das Kind gesehen oder gesprochen hat. Verfahrensbeistand sagt auch, dass alles gut ist. Mediatorin fragt sich, warum ich als Mutter darauf komme, dass die Auffälligkeiten im Zusammenhang stehen mit dem WM. Es versuchen alle mir zu suggerieren, dass ich etwas ausstrahle als Mutter, dass das Kind dazu bringt dies und das zu sagen und diese Auffälligkeiten zeigt. Es heißt immer zum Wohle des Kindes…aber wie wir alle wissen, ist es nicht das Wohle des Kindes um das es geht…Wohle des Kindes wird in diesem Staat gleichgesetzt mit das Recht des Vaters. Ich kämpfe weiter, damit mein Kind endlich wieder sagen kann „hier ist mein Zuhause“. Ich drücke euch allen die Daumen, dass ihr die Kraft nicht verliert. Unsere Kinder werden sich rächen eines Tages, da bin ich mir sicher…

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